Zum Inhalt springen
Strategie-Call buchen

Makrotrends · 27. Mai 2026

Rechenzentren: Strom wird zur Kostenfrage

Der Strombedarf deutscher Rechenzentren wächst, ab Juli gelten strengere Vorgaben für neue Anlagen. Folgen für die Preisgestaltung von KI.
Luftaufnahme von Windrädern und Solarfeld in grüner Hügellandschaft im Morgenlicht

Makrotrends 3 Min. Lesezeit Von Alexander Otto

Energie & KostenEnergieInfrastrukturStrategie

Wer KI nutzt, nutzt Strom, auch wenn die Rechnung ihn nicht ausweist. Die Preise für Cloud- und KI-Dienste hängen mittelbar an den Betriebskosten der Rechenzentren. Deshalb lohnt ein Blick auf die aktuelle Datenlage, die sich überwiegend auf Zahlen des Digitalverbands Bitkom stützt.

Die Entwicklung in Zahlen

  • Der Strombedarf der deutschen Rechenzentren stieg von rund 12 Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2015 auf 20 Milliarden im Jahr 2024 und rund 21,3 Milliarden im Jahr 2025.
  • Die Anschlussleistung soll Anfang 2026 erstmals die Marke von 3.000 Megawatt überschreiten und bis 2030 auf rund 5.000 Megawatt wachsen.
  • Der KI-Anteil soll sich bis 2030 auf rund 2.020 Megawatt vervierfachen und dann etwa 40 Prozent der Kapazität ausmachen.

Ab Juli neue Vorgaben

Für neue Rechenzentren gilt nach dem Energieeffizienzgesetz ab Juli 2026 ein PUE-Wert von höchstens 1,2. Der PUE-Wert beschreibt das Verhältnis von Gesamtstrombedarf zu dem Strom, der in die IT-Technik fließt. Je näher er an 1,0 liegt, desto weniger Energie geht in Kühlung und Technik verloren. Hinzu kommen abgestufte Anforderungen an die Nutzung der Abwärme.

Die Vorgaben betreffen zunächst neue Anlagen, nicht Ihre Rechenzentren oder die Ihrer Anbieter im Bestand. Sie zeigen aber, dass Effizienz zum Standortfaktor wird. Für Betreiber bedeutet das Investitionen, die sich langfristig in Preisen niederschlagen können. Wie stark, lässt sich heute nicht seriös beziffern.

Was Sie als Anwender tun können

  • Behalten Sie die Kosten pro Anwendungsfall im Blick, nicht nur die Lizenzgebühr. Bei nutzungsabhängigen Preisen steigen die Kosten mit der Zahl der Anfragen.
  • Wählen Sie das kleinste Modell, das Ihre Aufgabe zuverlässig löst. Kleinere Modelle brauchen weniger Rechenleistung und sind meist günstiger.
  • Fragen Sie Anbieter nach Standort und Energiebezug der Rechenzentren, wenn Nachhaltigkeitsberichte oder Kundenanfragen das verlangen.
  • Planen Sie für KI-Projekte einen Kostenpuffer ein, solange die Preisentwicklung offen ist.

Was die Zahlen nicht aussagen

Die Angaben beschreiben Rechenzentren insgesamt, nicht allein KI. Für einzelne Unternehmen ist der Stromverbrauch einer Anwendung kaum messbar. Messbar ist, was Anbieter berechnen: Anfragen, Tokens, Rechenzeit. Wer diese Größen monatlich notiert, erkennt Kostentrends früher als aus jedem Energiebericht. Eine einfache Tabelle mit vier Spalten genügt: Anwendung, Menge, Kosten, Ergebnis.

Den Zusammenhang zwischen Energie und Cloud-Kosten haben wir in unserem Beitrag zu Strom als Cloud-Metrik bereits beschrieben. Die neuen Zahlen bestätigen die Richtung: Wer KI skaliert, sollte den Verbrauch wie jede andere Betriebsgröße mitführen.

Zum Thema Rechenzentren und Strom: PUE 1,2 für neue Anlagen (Juli); Die öffentliche Plattform (August); Die erste Auswertung (September).

Quellen

Was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Wir ordnen im Strategie-Call ein, welche Entwicklungen für Sie zählen und welche Sie getrost beobachten können.