KI braucht Rechenleistung, und Rechenleistung braucht Strom. Für Unternehmen, die KI-Dienste aus der Cloud beziehen, ist das auf den ersten Blick ein Thema des Anbieters. Der Gesetzgeber macht es seit dem 1. Juli 2026 ein Stück weit zum Thema aller.
Was seit 1. Juli gilt
Nach dem Energieeffizienzgesetz (EnEfG) muss ein Rechenzentrum, das ab dem 1. Juli 2026 in Betrieb geht, einen PUE-Wert von höchstens 1,2 erreichen. Der PUE (Power Usage Effectiveness) misst, wie viel Strom insgesamt gebraucht wird im Verhältnis zu dem, was die IT selbst verbraucht. Je näher an 1,0, desto weniger Energie geht für Kühlung und Technik verloren. Neue Anlagen müssen außerdem mindestens 10 Prozent der eingesetzten Energie wiederverwenden, zum Beispiel als Abwärme. Ab dem 1. Januar 2027 müssen Rechenzentren ihren Strombedarf zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien decken. Die Regeln betreffen Anlagen mit einer nicht redundanten elektrischen Nennanschlussleistung ab 300 Kilowatt.
Eine Novelle des Gesetzes ist in Vorbereitung. Sie würde den PUE-Wert auf 1,3 lockern, die Schwelle auf 500 Kilowatt anheben und die Anforderungen an die Wärmenutzung abschwächen. Sie ist nach derzeitigem Stand noch nicht in Kraft. Planen Sie mit den geltenden Werten.
Was das für den Mittelstand bedeutet
Unternehmen betreiben selten eigene große Rechenzentren. Die Regeln wirken über Ihre Anbieter. Drei Konsequenzen sind plausibel, auch wenn sie sich nicht belegen lassen: Effizientere Anlagen können langfristig Strompreisrisiken dämpfen, Anbieter müssen mehr Daten zu Verbrauch und Herkunft des Stroms liefern, und Standorte in Deutschland werden für Betreiber aufwendiger. Ob und wie sich das auf Ihre Preise auswirkt, lässt sich heute nicht seriös beziffern.
Was Sie praktisch tun können
- Fragen Sie Ihre Cloud- und KI-Anbieter nach PUE-Wert, Anteil erneuerbarer Energie und Standort der Rechenzentren.
- Nehmen Sie Energie als Kriterium in Ihre Anbieterbewertung auf, neben Preis, Datenschutz und Verfügbarkeit.
- Wählen Sie für einfache Aufgaben kleinere Modelle. Sie sparen Rechenleistung und Geld.
- Beobachten Sie die Gesetzesnovelle, bevor Sie langfristige Verträge abschließen.
Eine Einschränkung: Das Gesetz regelt Anlagen in Deutschland. Viele KI-Dienste laufen in Rechenzentren außerhalb der EU, für die andere Regeln gelten. Wer Wert auf Energieeffizienz legt, sollte deshalb nicht nur auf das Gesetz schauen, sondern gezielt beim Anbieter nachfragen. Die Antworten sind ein guter Hinweis darauf, wie ernst das Thema genommen wird.
Mehr zur Rolle des Stroms als Kennzahl für digitale Dienste finden Sie in unserem Beitrag zur Energie als neuer Cloud-Metrik.
Zum Thema Rechenzentren und Strom: Strombedarf und Kosten (Mai); Die öffentliche Plattform (August); Die erste Auswertung (September).
Quellen