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Makrotrends · 16. Mai 2025 · aktualisiert am 15. Juli 2026

Arbeit ohne Arbeitsplatz: Automatisierung und Verantwortung

KI verändert Aufgaben schneller, als Berufsbilder sich anpassen. Der Mittelstand muss produktiver werden und zugleich seine Fachkräfte halten. Was die Zahlen von 2026 zeigen und was jetzt zu tun ist.
Begrünter Industrieturm mit Y-förmigen Rohren in der Dämmerung

Makrotrends 4 Min. Lesezeit Von Alexander Otto

Führung & KulturWeiterbildungFachkräfteChangeEU AI Act

Als wir diesen Text im Mai 2025 veröffentlichten, war der Wandel der Arbeit noch eine Prognose. Heute ist er Betriebsalltag. Nach der Bitkom-Befragung vom März 2026 nutzen 41 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI, ein Jahr zuvor waren es 17 Prozent. Zwei Drittel der Anwender wollen den Einsatz ausbauen. Für den Mittelstand bleibt die Aufgabe dieselbe: produktiver werden und zugleich die Fachkräfte halten. Neu ist, dass es dafür belastbare Zahlen und feste Termine gibt.

Was die Zahlen 2026 zeigen

Die Bitkom-Studie gibt kein einseitiges Bild. 77 Prozent der KI-Nutzer sagen, ihre Wettbewerbsposition habe sich verbessert, und 52 Prozent sehen einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg. Gleichzeitig berichten 19 Prozent der KI-einsetzenden Unternehmen, bereits Stellen abgebaut zu haben, weil sich Aufgaben erübrigt haben. 33 Prozent sagen, KI sei teurer als erwartet. Als größte Hindernisse nennen jeweils 53 Prozent Rechtsunsicherheit und fehlendes Know-how, 51 Prozent Personalmangel.

Aus diesen Zahlen folgt für die Geschäftsführung dreierlei. Der Wandel trifft Aufgaben, nicht ganze Berufe. Er lohnt sich dort, wo parallel Wissen aufgebaut wird. Und er scheitert häufiger an Kompetenz und Klarheit als an der Technik.

Qualifizierung ist inzwischen Pflichtprogramm

Die EU-KI-Verordnung verlangt seit dem 2. Februar 2025, dass Anbieter und Betreiber von KI-Systemen Maßnahmen für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals ergreifen. Laut den Fragen und Antworten der EU-Kommission beginnen die nationalen Marktüberwachungsbehörden im August 2026 mit der Aufsicht. Die Behörden sollen verhältnismäßig vorgehen. Ein Verfahren wird nach Einschätzung der Kommission wahrscheinlicher, wenn ein Vorfall auf fehlende Schulung zurückgeht. Die politische Einigung zum Digital Omnibus vom 7. Mai 2026 verschiebt die Hochrisiko-Fristen, über die Kompetenzpflicht lesen Sie in Kommentaren allerdings unterschiedliche Einschätzungen. Prüfen Sie deshalb den endgültigen Gesetzestext, bevor Sie Ihr Schulungskonzept an einer Lockerung ausrichten. Praktisch sicher fahren Sie, wenn Sie Schulungen ohnehin als Teil der Einführung planen.

Drei Ansätze aus der Praxis

  • Interne Tech-Akademie: Mitarbeitende lernen Datenanalyse, Low-Code und KI-gestützte Prozesse im Arbeitsalltag. Interne Projektrotationen eröffnen neue Perspektiven und zeigen, wer in neue Rollen hineinwächst.
  • Arbeitszeit neu denken: Eine befristet reduzierte Wochenarbeitszeit schafft Raum für Weiterbildung. Das zahlt sich durch mehr Flexibilität, geringere Fluktuation und bessere Prozesskompetenz aus.
  • Partnerschaften mit Bildungsträgern: Mit Hochschulen, Berufsakademien oder Branchennetzwerken entstehen Praxisprojekte, in denen Wissen weitergegeben wird und das Unternehmen früh an Nachwuchs kommt. In Thüringen bieten sich dafür die regionalen Hochschulen und Kammern an.

Automatisierung ist kein Selbstzweck

Das Wort „Vollautomatisierung“ klingt, als würde menschliche Arbeit überflüssig. Die Praxis sieht anders aus. Wiederkehrende Tätigkeiten übernehmen Software und Agenten, Urteilsvermögen, Kundenkontakt und Verantwortung bleiben beim Menschen. Gerade im Mittelstand, wo Prozesse individuell gewachsen sind, braucht es Menschen, die Technik nicht nur bedienen, sondern mitgestalten. Wer bestehende Teams weiterentwickelt, spart Recruiting-Kosten und stärkt die Bindung.

Der Return on Investment stellt sich meist erst ein, wenn Automatisierung und Qualifizierung gemeinsam geplant werden. Das deckt sich mit dem Befund, dass 33 Prozent der Bitkom-Befragten höhere Kosten als erwartet melden. Hier hilft ein Steuerungsteam aus Geschäftsführung, Personalentwicklung, Technik und Mitbestimmung. Es legt Qualifizierungspfade fest, priorisiert Automatisierungsprojekte und macht Fortschritte sichtbar. Förderprogramme für die Weiterbildung Beschäftigter, etwa über die Bundesagentur für Arbeit, sollten Sie vor der Planung bei Ihrer Agentur für Arbeit prüfen, da Bedingungen und Fördersätze sich nach Betriebsgröße richten.

Handlungsempfehlungen für die nächsten 90 Tage

Beginnen Sie mit einer Bestandsaufnahme: Welche Aufgaben übernimmt in den nächsten Jahren Technik? Welche Kompetenzen werden stattdessen gebraucht? Wer im Team kann in neue Rollen hineinwachsen? Starten Sie danach Pilotprojekte, die Automatisierung und Weiterbildung verknüpfen, und geben Sie zu jedem neuen Werkzeug ein Lernmodul an die Hand. Dokumentieren Sie die Schulungen, denn damit können Sie gegenüber Behörden belegen, dass Sie Ihre Pflicht ernst nehmen. Kommunizieren Sie offen mit der Belegschaft. Wer den Wandel erklärt, statt ihn zu verordnen, gewinnt Vertrauen und senkt Widerstände.

Fazit

„Arbeit ohne Arbeitsplatz“ meint nicht den Verlust von Arbeit, sondern ihre Verlagerung. Die Zahlen von 2026 zeigen, dass Stellenabbau bei einem Teil der Anwender real ist. Mittelständler, die jetzt in Kompetenz investieren, haben morgen Teams, die mit der Technik arbeiten können, und Nachweise, falls eine Behörde fragt.

Quellen

Automatisierung und Qualifizierung gemeinsam planen

Im Strategie-Call klären wir, welche Aufgaben sich verändern und wie Sie Ihr Team darauf vorbereiten.