Omnibus in Kraft: Was die Erleichterungen für kleine Midcaps bedeuten
Seit 27. Juli gilt der Digital Omnibus. Neu ist die Kategorie der kleinen Midcaps. Wer davon profitiert und was unverändert bleibt.
Makrotrends · 18. Mai 2025 · aktualisiert am 30. September 2026

Im Mai 2025 haben wir geschrieben, Geschwindigkeit sei vom Wettbewerbsvorteil zur Überforderung geworden. Seither ist das Tempo nicht gefallen. Die Zahlen aus dem September 2026 zeigen aber, dass die Frage sich verschoben hat: Es geht nicht mehr darum, ob Unternehmen KI einsetzen, sondern ob sie dabei wissen, was sie tun.
Nach der Bitkom-Erhebung vom 14. September 2026 setzen 57 Prozent der Unternehmen ab 20 Beschäftigten KI ein. Vor einem Jahr waren es 36 Prozent, vor zwei Jahren 20 Prozent. Dazu passt die zweite Zahl: Neun von zehn Unternehmen sehen sich bei KI noch am Anfang. Und ein Drittel der Unternehmen, die KI einführen, gibt an, vor allem aus Sorge zu handeln, den Anschluss zu verlieren.
Das ist genau das Muster, das wir 2025 beschrieben haben, nur in größerem Maßstab. Angst vor dem Zuspätkommen ist ein schlechter Projektauftrag. Sie führt zu Werkzeugen ohne Zweck, zu Pilotprojekten ohne Ziel und zu Rechnungen, die niemand erwartet hat. Immerhin 45 Prozent der Unternehmen erhöhen laut Bitkom ihre KI-Ausgaben im Jahr 2026, und die größten Posten sind nicht Lizenzen, sondern Infrastruktur und Datenaufbereitung. Wer Budget ohne Klarheit über den Nutzen aufstockt, bezahlt am Ende vor allem Aufräumarbeit.
Ein zweites Beispiel für Tempo ohne Orientierung ist die Regulierung. Der Digital Omnibus zur EU-KI-Verordnung ist am 27. Juli 2026 in Kraft getreten. Er verschiebt die Pflichten für Hochrisiko-Systeme nach Anhang III vom 2. August 2026 auf den 2. Dezember 2027, für Systeme in regulierten Produkten gilt nun der 2. August 2028. Zugleich gelten Verbote und Transparenzpflichten weiter, und die Pflicht zur KI-Kompetenz wurde laut KPMG abgeschwächt: Unternehmen sollen Kompetenz fördern, müssen aber kein bestimmtes Niveau garantieren.
Aus Sicht des Mittelstands ist das eine Atempause, kein Grund zum Abwarten. Nach Bitkom erwarten 37 Prozent der Unternehmen Auswirkungen des AI Act auf ihr Geschäft, im Vorjahr waren es 23 Prozent. Wer jetzt seine Anwendungen nach Risiko ordnet, nutzt die gewonnene Zeit. Wer die Verschiebung als Freibrief liest, steht Ende 2027 vor derselben Aufgabe, nur mit mehr Altlasten.
Wir hatten damals drei Treiber genannt. Beim technologischen Drift hat sich das Tempo auf hohem Niveau gehalten, neue Modelle und Agenten-Werkzeuge erscheinen im Monatsrhythmus. Bei der organisatorischen Reaktion zeigt die Bitkom-Studie, dass viele Betriebe noch ohne klare Linie handeln. Beim soziokulturellen Umbruch hat sich nach unserer Beobachtung die Frage verlagert: Mitarbeitende fragen weniger, ob KI kommt, und mehr, wer ihre Ergebnisse verantwortet und wie sich ihre Rolle ändert.
Der Begriff klingt nach Bremsen, gemeint ist das Gegenteil: Tempo dort, wo es sich auszahlt, und Pause dort, wo Entscheidungen teuer werden. Drei Maßnahmen haben sich in der Beratung bewährt.
Automatisierung bleibt dabei ein Werkzeug für mehr Ruhe. Wo Routineaufgaben wegfallen, entsteht Zeit für Kundengespräche, Planung und Qualität. Das setzt voraus, dass die Automatisierung selbst nicht zum nächsten Dauerprojekt wird. Legen Sie deshalb vorab fest, welche Zeit eine Automatisierung freisetzen soll und wofür diese Zeit gedacht ist. Ohne diese Zusage verschwindet der Gewinn im nächsten Tagesgeschäft.
Fragen Sie in Ihrem Team: Welches KI-Vorhaben würden wir heute nicht mehr starten, wenn wir die Angst vor dem Zuspätkommen abziehen? Die Antwort zeigt meist schnell, wo Kraft gebunden ist, die anderswo mehr bewirken würde. Zukunft gestalten beginnt mit Klarheit.