Interview-Notiz: Fünf Fragen, die sich Geschäftsführungen im Herbst stellen sollten
Alexander Otto hat die Fragen aufgeschrieben, die er sich vor jedem Strategiegespräch mit dem Mittelstand stellt, und beantwortet sie in kurzen Notizen.
Strategie · 19. Mai 2025 · aktualisiert am 13. August 2026

Im Mai 2025 haben wir geschrieben, dass die Einführung eines Projektmanagement-Tools wie ClickUp ein Führungsthema ist und kein IT-Projekt. Daran hat sich nichts geändert. Neu ist, dass sich die Werkzeuge selbst verändert haben: Sie enthalten inzwischen KI-Assistenten, die Aufgaben vorschlagen, Meetings zusammenfassen und teils eigenständig handeln. Das verschiebt die Führungsfragen.
ClickUp hat im Dezember 2025 die Version 4.0 angekündigt und beschreibt sie als konvergente KI-Plattform. Aufgaben, Dokumente, Chat, Meetings und Wissen sollen in einem Arbeitsbereich liegen. Dazu kommen ein KI-Assistent namens Brain, ein KI-Protokollant für Meetings, die Möglichkeit, mehrere Sprachmodelle zu wählen, und sogenannte Ambient Agents, die Routineaufgaben von sich aus erledigen. Für den Mittelstand ist daran vor allem eines wichtig: Ein Projekttool ist heute auch ein Ort, an dem KI mit Ihren Projektdaten arbeitet.
Die Herstellerangaben sind allerdings Marketing. Was ein Agent im Alltag Ihres Teams leistet, lässt sich nur im eigenen Betrieb prüfen. Das spricht für den Weg, den wir schon 2025 empfohlen haben: klein anfangen und messen.
Die fünf typischen Fehler gelten weiter: Tool statt Prozess, Technik ohne Training, fehlendes Commitment der Führung, fehlende Kommunikation und Überladung zum Start. Mit KI-Funktionen wiegt der letzte Punkt schwerer. Wer alle Assistenten und Automatisierungen gleichzeitig freischaltet, verliert den Überblick, wer was im System ausgelöst hat.
Der Weg bleibt ebenfalls derselbe: Zielbild und Use Cases festlegen, im Führungskreis pilotieren, strukturiert ausrollen, das Training als Prozess verstehen. Was die Führung nicht selbst nutzt, setzt sich im Team nicht durch. Eine Review nach vier bis sechs Wochen, in der das Team sagt, was hilft und was stört, hat sich in unseren Projekten bewährt.
Sobald ein Assistent auf Aufgaben, Kommentare und Dokumente zugreift, sind folgende Punkte zu klären:
Die Datenschutzkonferenz hat im Juni 2025 Empfehlungen zu technischen und organisatorischen Maßnahmen beim Betrieb von KI-Systemen veröffentlicht, die sich als Prüfliste für solche Fragen eignen.
Die Pflicht zur KI-Kompetenz aus Artikel 4 gilt seit Februar 2025. Der Digital Omnibus, auf den sich Parlament und Rat am 7. Mai 2026 geeinigt haben und den das Parlament am 16. Juni 2026 angenommen hat, verschiebt vor allem die Hochrisiko-Pflichten auf Dezember 2027 und August 2028. Nach den vorliegenden Berichten wird auch die Formulierung zur KI-Kompetenz abgeschwächt, Unternehmen sollen deren Aufbau eher unterstützen als sicherstellen. Praktisch ändert das wenig: Wer ein Tool mit KI einführt, sollte die Schulung dazu ohnehin als Teil des Rollouts planen. Ein Projekttool mit Assistenten ist in aller Regel kein Hochrisiko-System, es sei denn, Sie nutzen es für Entscheidungen über Beschäftigte.
In den ersten zwei Wochen legen Sie Ziele, Rollen und Pilotteam fest. In den Wochen drei bis acht arbeitet das Pilotteam mit einem Workspace, einer Vorlage pro Prozess und höchstens einer KI-Funktion. Danach folgt die Review mit drei Fragen: Was spart Zeit? Was erzeugt Nacharbeit? Was würden wir abschalten? Erst dann rollen Sie weiter aus.
Die Architektur bleibt das Entscheidende: Ziele, Zuständigkeiten, Meetingstruktur und Anbindung an CRM und Zeiterfassung. Das Tool ist ein Baustein davon, und die KI darin ist ein weiterer, den Sie bewusst steuern sollten.