Zum Inhalt springen
Strategie-Call buchen

Strategie · 12. Januar 2025 · aktualisiert am 3. August 2026

Strategieberatung im Wandel: Stand 2026

Recherche und Analyse gehen mit KI in Stunden. Was davon im Mittelstand ankommt, und welche Annahmen aus dem Jahr 2025 nicht gehalten haben.
Glasquader, teilweise von dichtem Blattwerk überwachsen, auf mintgrünem Grund

Strategie 4 Min. Lesezeit Von Alexander Otto

StrategieBeratungMarktanalyseSprachmodelle

Im Januar 2025 haben wir an dieser Stelle beschrieben, wie Sprachmodelle die Beratung verändern. Anderthalb Jahre später lässt sich besser sagen, was davon eingetreten ist und was nicht. Die Richtung stimmt: Recherche, Auswertung und Argumentation gehen mit KI deutlich schneller. Einige Annahmen von damals müssen wir aber korrigieren.

Was sich bestätigt hat: Analyse in Stunden statt Wochen

Marktvergleiche, Wettbewerbslandkarten und die Auswertung von Kundenfeedback laufen heute in vielen Beratungsteams routinemäßig mit Sprachmodellen. Mit GPT-5 hat OpenAI im August 2025 eine neue Modellgeneration gestartet und seither mehrere Folgeversionen nachgelegt. Lange Dokumente und mehrstufige Rechercheaufträge lassen sich damit verlässlicher bearbeiten als 2025. Die Vorlektüre, die früher Tage band, ist für ein Team eine Sache von Stunden.

Der Mittelstand zieht langsamer nach, als die Schlagzeilen vermuten lassen. Laut Eurostat setzten 2025 knapp 20 Prozent der Unternehmen in der EU KI-Technologien ein, 6,5 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Bei kleinen Unternehmen lag der Wert bei 17 Prozent, bei mittleren bei gut 30 Prozent, bei großen bei 55 Prozent. Wer als mittelständischer Betrieb KI für Strategiearbeit nutzt, gehört also noch zur Minderheit. Das ist ein Vorsprung, den man gestalten kann.

Was wir damals zu optimistisch gesehen haben

Wir haben geschrieben, Berater würden stark beschleunigt, ohne dass die strategische Tiefe leidet. Das gilt nur, wenn jemand prüft. Sprachmodelle formulieren auch dann überzeugend, wenn Zahlen, Quellen oder Zusammenhänge nicht stimmen. In der Praxis entsteht der Schaden selten durch einen großen Irrtum, sondern durch viele kleine, die ungeprüft in eine Entscheidungsvorlage wandern.

Ebenso zu glatt war die Vorstellung, schnellere Analysen führten automatisch zu besseren Entscheidungen. Eine Studie des MIT (The GenAI Divide, Sommer 2025) kam zu dem Ergebnis, dass die große Mehrheit der untersuchten Pilotprojekte keinen messbaren Geschäftsnutzen brachte. Als Ursachen nannten die Autoren schlecht eingebundene Abläufe und fehlenden Kontext, nicht die Modellqualität. Für die Beratung heißt das: Die Analyse ist selten der Engpass. Entscheidend ist, was danach im Unternehmen damit geschieht.

Wissen ist günstig, Einordnung ist knapp

Die These, Wissen verliere seine Exklusivität, hat sich bewahrheitet. Ein Geschäftsführer kann sich heute selbst eine Branchenübersicht erstellen lassen. Wertvoll bleibt, was das Modell nicht liefert: die Gewichtung nach den Möglichkeiten des eigenen Hauses, das Wissen über Kunden und Mitarbeitende und der Mut, eine Option zu streichen. Gute Beratung zeigt sich deshalb weniger in der Menge an Analysen als in der Reihenfolge der nächsten drei Schritte.

Auch der Arbeitsmodus hat sich verändert. Statt langer Abschlusspräsentationen bekommen unsere Kunden Arbeitsstände im Wochenrhythmus und können Annahmen direkt gemeinsam mit dem Modell durchspielen. Das setzt voraus, dass beide Seiten wissen, welche Quellen eingeflossen sind.

Rechtlicher Rahmen: mehr Zeit bei den Fristen, gleiche Sorgfalt

Wer vertrauliche Unterlagen in Modelle gibt, bewegt sich im Datenschutzrecht. Die Datenschutzkonferenz hat im Juni 2025 Empfehlungen zu technischen und organisatorischen Maßnahmen für KI-Systeme veröffentlicht und im Oktober 2025 eine Orientierungshilfe zu generativer KI mit RAG nachgelegt, also zu Systemen, die auf eigene Dokumente zugreifen. Beides ist für Strategieprojekte relevant, weil dort genau solche Unterlagen verarbeitet werden.

Beim AI Act gab es eine Verschiebung: Parlament und Rat haben sich am 7. Mai 2026 auf den Digital Omnibus geeinigt. Die Hochrisiko-Pflichten rücken demnach auf Dezember 2027 (Anhang III) beziehungsweise August 2028 (Anhang I). Für typische Strategie- und Analyseanwendungen war das ohnehin kaum relevant. Die Verantwortung für den Umgang mit KI im Haus bleibt bestehen.

Was Sie daraus für Ihr nächstes Strategieprojekt mitnehmen

  • Legen Sie fest, welche Teile eines Projekts mit KI vorbereitet werden dürfen und welche Daten nicht ins Modell gehören.
  • Verlangen Sie bei jeder Analyse eine Quellenliste und prüfen Sie Stichproben, vor allem bei Zahlen, die in Entscheidungen einfließen.
  • Planen Sie die Umsetzung gleich mit: Wer übernimmt das Ergebnis, bis wann, und woran sehen Sie, dass es wirkt?
  • Rechnen Sie mit einem anderen Beratungsbedarf: weniger Recherche, mehr Priorisierung und Begleitung.

Beratung wird dadurch nicht überflüssig, aber anspruchsvoller. Auf Ihrer Seite wie auf unserer.

Quellen

Strategiearbeit mit KI, aber mit Prüfung

Im Strategie-Call klären wir, welche Teile Ihrer Planung sich mit KI beschleunigen lassen und wo ein Mensch entscheiden muss.