KfW: Nicht die Größe entscheidet über KI im Mittelstand, sondern die Vorarbeit
Laut KfW Research nutzt jeder fünfte Mittelständler KI. Entscheidend sind Digitalisierung und Innovationskultur, nicht die Größe.
Strategie · 13. Mai 2025 · aktualisiert am 14. September 2026

Im Mai 2025 haben wir Notion als mögliches Betriebssystem für mittelständische Unternehmen beschrieben: Strategie, Projekte und Wissen an einem Ort. Die Grundidee hat sich gehalten. Verändert hat sich, was Notion selbst übernimmt, und damit die Frage, wie viel Eigenständigkeit Sie dem Werkzeug geben wollen.
Am 18. September 2025 hat Notion die Version 3.0 vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen KI-Agenten, die laut Hersteller bis zu 20 Minuten selbstständig arbeiten und dabei Dokumente erstellen, Datenbanken aufbauen und in angebundenen Werkzeugen suchen können. Hinzu kamen Zugriffsrechte auf Zeilenebene in Datenbanken und weitere Anbindungen über MCP.
Seit dem 4. Mai 2026 sind die Custom Agents allgemein verfügbar. Das sind Agenten, die Ihr Team einrichtet und die nach Zeitplan oder bei einem Ereignis laufen, etwa um neue Einträge in einer Aufgabendatenbank einzuordnen. Sie werden über Notion Credits abgerechnet, einem Zusatz für die Tarife Business und Enterprise. Notion nennt zum Start Funktionen zur Kostensteuerung: Limits pro Agent und pro Arbeitsbereich, eine Erkennung ungewöhnlicher Ausgaben und Rechte, die festlegen, wer Agenten anlegen darf. Laut Hersteller entstanden in der Testphase über eine Million Agenten.
Wir hatten geschrieben, Notion bringe „wenig Setup-Kosten“ und sei „sofort einsetzbar“. Für ein Team von fünf Personen stimmt das. Für ein Unternehmen mit 80 Beschäftigten nicht. Entscheidend ist nicht die Software, sondern die Struktur: Wer darf Seiten anlegen, wo liegt welcher Inhalt, wer pflegt was? Ohne diese Regeln wächst in Notion in einem halben Jahr dasselbe Durcheinander wie im Dateiserver, nur mit hübscherer Oberfläche.
Mit den Agenten kommt eine zweite Ebene hinzu. Ein Agent mit Lesezugriff auf Ihre Personalseiten oder Verträge ist ein Datenschutzthema. Er sieht, was seine Einrichterin sehen darf. Prüfen Sie deshalb vor dem Einsatz, welche Bereiche Ihres Arbeitsbereichs überhaupt für KI zugänglich sein sollen, und legen Sie das schriftlich fest.
Die drei Anwendungsfelder von damals tragen weiter. Für die Unternehmensführung eignen sich verlinkte Seiten für Ziele, Rollen und Entscheidungsprotokolle. Für das operative Geschäft taugen Projekt- und Aufgabendatenbanken, in denen Status und Verantwortliche sichtbar sind. Für das Wissensmanagement sind Handbücher und Einarbeitungsunterlagen sinnvoll, die jemand mit Namen pflegt. Hier zeigen sich jetzt auch die Agenten: Sie können Eingänge sortieren, Protokolle zusammenfassen oder fällige Seiten melden.
Weniger geeignet bleibt Notion für alles, was revisionssicher sein muss. Buchhaltung, Verträge mit Aufbewahrungsfristen und Personalakten gehören in Systeme, die dafür gebaut sind. Das hatten wir 2025 ähnlich gesehen und würden es heute stärker betonen.
Die Umstellung auf Credits macht Kosten schwerer vorhersehbar. Ein Agent, der täglich viele Seiten liest, verbraucht mehr als ein gelegentlich genutzter Assistent. Setzen Sie darum im ersten Quartal ein Monatsbudget und werten Sie nach vier Wochen aus, was der Agent tatsächlich gespart hat. Eine realistische Messgröße ist die Zeit, die Ihr Team vorher für die Aufgabe brauchte.
Ebenso gilt: Wer sein Wissen in einem einzigen Werkzeug bündelt, macht sich von diesem abhängig. Exportieren Sie wichtige Inhalte regelmäßig und halten Sie fest, wie ein Umzug ablaufen würde. Das Prinzip, Prozesse, Wissen und Entscheidungen an einem sichtbaren Ort zu halten, bleibt richtig. Ob dieser Ort Notion heißt, entscheidet sich an Struktur, Rechten und Kosten, nicht an der Funktionsliste.