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Strategie · 8. Juli 2026

Warum der Mittelstand hinterherläuft

Gut jedes zweite Unternehmen nutzt KI. Warum der klassische Mittelstand trotzdem zurückliegt und was sich daraus ableiten lässt.
Wellenartig verstreute matte Würfel, die sich rechts zu einem geordneten Raster fügen

Strategie 3 Min. Lesezeit Von Alexander Otto

StudienIfoStrategieMittelstand

Das ifo Institut hat am 5. Juni die Ergebnisse seiner Konjunkturumfrage vom Mai 2026 veröffentlicht. 54,5 Prozent der befragten Unternehmen setzen demnach KI in ihren Geschäftsprozessen ein. Ein Jahr zuvor waren es 40,9 Prozent. Weitere 16 Prozent planen den Einsatz, 21,6 Prozent diskutieren darüber. Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen, sagte, KI sei in der deutschen Wirtschaft endgültig in der Breite angekommen.

Die Zahlen im Detail

  • Große Unternehmen kommen auf 67,2 Prozent, kleine Firmen auf 51,2 Prozent, der klassische Mittelstand auf 47,2 Prozent.
  • Die Industrie liegt mit 58,7 Prozent vorn, Dienstleister kommen auf 56,2 Prozent, der Handel auf rund 45 Prozent.
  • Am Bau stieg der Anteil binnen drei Jahren von 7,1 auf 39,8 Prozent.

Warum der Mittelstand hinterherläuft

Die Studie liefert keine Begründung für den Rückstand, wir können daher nur einordnen. Aus unserer Beratungspraxis sind drei Erklärungen naheliegend. Mittlere Unternehmen haben selten eine eigene Stelle für Digitalthemen. Sie haben mehr gewachsene Systeme als kleine Firmen und weniger Budget als Konzerne. Und die Verantwortung für KI liegt oft bei Einzelnen, die es nebenher mitmachen.

Dazu passt ein Befund aus der Bitkom-Befragung vom Frühjahr. Dort nannten 66 Prozent der Unternehmen Zeitmangel als internes Hindernis für die Digitalisierung, 70 Prozent den Fachkräftemangel. Die Befragungen sind nicht direkt vergleichbar, weil Bitkom Betriebe ab 20 Beschäftigten befragt und ifo einen anderen Kreis. Die Richtung ist aber dieselbe.

Was Sie daraus ableiten können

Wer jetzt noch nicht angefangen hat, ist nicht abgehängt, aber er läuft gegen einen wachsenden Standard. Entscheidend ist weniger das Tool als die Frage, welcher Prozess zuerst dran ist. Ein sinnvoller Start ist ein Ablauf, der oft vorkommt, klar begrenzt ist und dessen Ergebnis jemand schnell prüfen kann, etwa die Erstentwurf-Erstellung von Angeboten oder die Vorsortierung von Anfragen.

  • Benennen Sie eine verantwortliche Person mit festen Stunden pro Woche.
  • Wählen Sie einen Prozess und messen Sie vorher die Bearbeitungszeit.
  • Legen Sie einen Termin in sechs Wochen fest, an dem Sie bewerten, ob es sich lohnt.

Eine Einschränkung gehört dazu: Eine Umfrage misst, was Unternehmen angeben, nicht wie gut sie KI nutzen. Wer einmal wöchentlich einen Chatbot für Texte befragt, zählt ebenso als Nutzer wie ein Betrieb mit automatisierten Abläufen. Die Zahl sagt deshalb mehr über die Verbreitung als über die Wirkung. Für Ihre eigene Entscheidung ist die Wirkung in Ihrem Betrieb die wichtigere Größe.

Mit dem Readiness-Check können Sie vorab einschätzen, wo Ihr Unternehmen steht.

Die vollständige Aufschlüsselung der Zahlen und den Blick auf kostenlose Werkzeuge finden Sie in unserer Analyse vom Juni.

Quellen